Regeln und Geschichte des Tennis
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Tennis ist in Deutschland längst kein exklusiver Sport mehr. Der Zustrom zu den Tennisklubs ist so groß, daß die meisten Klubs Wartelisten aufgelegt haben. Der Deutsche Tennisbund hat fast 2 Millionen überwiegend aktive Mitglieder.

Das Wort Tennis ist aus dem altfranzösischen tenez, haltet (nämlich den Ball), abgeleitet. Vorstufen des Tennis wurden schon im Mittelalter gespielt, im 14. Jahrhundert von burgundischen Mönchen auf den Klosterhöfen, zunächst mit den flachen Händen. Das Rakett (auch Racket) und das Netz kamen erst 200 Jahre später auf. Das moderne Tennis stammt aus England; es war durch die Erfindung des Rasenmähers (zunächst wurde ausschließlich auf Rasen gespielt) und des Gummiballes möglich geworden. Die grundlegenden Tennisregeln wurden 1877 in Wimbledon ausgearbeitet. 1892 fanden die ersten Deutschen Tennismeisterschaften in Hamburg statt. In den letzten zwei Jahrzehnten hat sich die Trennung von Amateur- und Profi-Wettbewerben in der Spitzengruppe verwischt.
Die wichtigsten internationalen Turniere sind:

- Wimbledon, All England Lawn Tennis
  Championships,

- Flushing Meadow, USA, International Championships,

- Paris, Stade Roland-Garros,

- Melbourne, Australien.

Weitere nationale und internationale Meisterschaften sind in die sogenannten Grand-Prix-Turniere
  einbezogen, die im Masters-Tournament für Damen und Herren ihren alljährlichen Höhepunkt und Abschluß erreichen. Daran nehmen jeweils die 12 punktbesten Spielerinnen und Spieler teil. Daneben sorgen Mannschaftswettbewerbe für ständige Spannung: Um den Davispokal für Herren spielen 16 nationale Mannschaften nach dem K.-o.-System; um den Federation Cup kämpfen die Damen. Der Königspokal wird zwischen europäischen Herrenmannschaften im Hallentennis ausgetragen, und der World Team Cup in Düsseldorf findet mit 8 Nationalmannschaften statt.

Olympische Disziplin war Tennis von 1896 bis 1924 und ist es wieder seit den Olympischen Spielen 1988 in Seoul, Korea.

Das Spielfeld ist 23,77 Meter lang. Die Breite beträgt für das "Einzel" 8,23 Meter, für das "Doppel" 10,97 Meter. Das Netz in der Mitte ist 91,5 Zentimeter hoch (Oberkante) und mit einem Seil fest gespannt. Der Auslauf hinter der Grundlinie muß über mindestens 3,65 Meter reichen.

Unterschieden werden Rasenplätze, überwiegend in englischsprachigen Ländern, und Hartplätze mit
Unterlage aus Naturstein oder Ziegelmehl. Es gibt außerdem Kunstrasen-, Asphalt-, Beton- und (in der Halle) Parkett-, Korklinoleum-, Teppich- oder Kunststoffböden. Der Boden ist entscheidend für die Schnelligkeit des Balles und die Höhe seines Sprungs beim Aufsetzen. Hartplätze gelten als "langsam", weil der Ball gebremst wird. Weiche Plätze sind schneller, der Ball springt rascher ab, zum Beispiel auf Rasen. Vom Boden ist also das Spieltempo abhängig. Schnelle Plätze erfordern kürzere Reaktionszeiten; langsame Plätze kosten mehr Kraft. Deshalb sind die Spieler nicht auf jedem Platz gleichermaßen erfolgreich.

Spielgeräte sind Tennisball und Tennisschläger. Der Ball hat zirka 6,5 Zentimeter Durchmesser und wiegt 57 bis 58 Gramm. Wenn er bei 20 Grad Temperatur aus 2,54 Meter Höhe auf eine harte Unterlage fällt, muß er mindestens 1,23 Meter hochspringen. Er besteht aus Hohlgummi und hat eine flauschige Filzhülle, die das Flugtempo bremst. Gute Spieler spüren, wenn sie den Ball vor dem Aufschlag einige Male auf den Boden werfen, ob er in Ordnung ist. Der Schläger kann aus Glasfiber, Kunststoff, Metall oder (selten) aus Holz gefertigt sein. Der Racketkopf ist mit einem Gitternetz aus unterschiedlich fest gespannten Kunstoff- oder Naturdarmsaiten bespannt. Die Art der Bespannung hat Auswirkungen auf den Flug des Balles. Die Wahl der Bespannungshärte steht dem Spieler frei. Spitzenspieler spielen "hart".

Die Spielregeln: Die Spielfeldseiten und der erste Aufschlag werden unter den Spielern ausgelost. Mit dem Aufschlag wird von Spiel zu Spiel gewechselt. Seitenwechsel erfolgt nach dem 1., 3. und jedem weiteren ungeraden Spiel. Zu Spielbeginn und bei jedem neuen Aufschlag stellen sich die Spieler hinter ihre Aufschlaglinien, die Grundlinien des Spielfeldes, und zwar einander schräg gegenüber. Der Spieler, der ein Spiel beginnt, heißt Aufschläger, sein Gegenüber Rückschläger. Zum Aufschlag muß der Ball in die Luft geworfen und aus dem Fall heraus mit dem Schläger über das Netz in das schräg gegenüberliegende Aufschlagfeld plaziert werden. Dabei darf der Aufschläger seine Grundlinie nicht übertreten, und der Ball darf das Netz nicht berühren. Bei einem Aufschlagfehler (Netzberührung kommt häufig vor) darf der Aufschlag wiederholt werden. Bei einem wiederholten (Doppel-)Fehler bekommt der Gegner des Aufschlägers einen Punkt. Deshalb wird der wiederholte Aufschlag immer behutsamer gespielt. Dabei gibt es eine Ausnahme: Wird nach fehlerhaftem erstem Aufschlag beim zweiten Aufschlag vom Linienrichter irrtümlich auf "Aus" erkannt und vom Schiedsrichter nachträglich der Ball für "gut" befunden, so erhält der Aufschläger zwei neue Bälle; es wird also verfahren, als hätte es sowohl den verpatzten als auch den strittigen Aufschlag nicht gegeben.

Jeder Aufschlagball muß den Boden einmal berühren und darf, anders als im folgenden Ballwechsel, nicht aus der Luft zurückgeschlagen werden. Gelingt es dem Aufschläger, den Aufschlagball so zu plazieren und so scharf zu spielen, daß ihn der Gegner nicht erreicht, spricht man von einem "As": Der Aufschläger bekommt einen Punkt. Im Spielverlauf bekommen Aufschläger oder Rückschläger einen Punkt, wenn es ihnen gelingt, den Ball dem Gegner innerhalb des Spielfeldes unerreichbar zu servieren; dabei gehören die Spielfeldlinien zum Spielfeld. Wird ein Ball über die Seitenlinien oder über die gegnerische Grundlinie geschlagen, ohne daß er zuvor im Spielfeld aufgesetzt hat, so ist das ein Punkt für die gegnerische Seite.

Die Punkte in einem Spiel zählen 15 (erster Punkt), 30 (zweiter Punkt) und 40 (dritter Punkt). eigentlich müßte es 45 heißen, aber da die Punkte über Lautsprecher angesagt werden, hat sich 40 wegen der einfacheren Aussprache eingebürgert.

Wer zuerst den 4. Punkt (60, wird nicht angesagt) für sich erzielt, hat ein Spiel gewonnen. Es heißt nun 1:0. Danach beginnt das zweite Spiel. Bei der Ansage kommt es vor, daß der Spielstand zum Beispiel mit Fifteen to Love oder Thirty to Love angegeben wird. Love (Liebe) steht immer für Null und bedeutet sinngemäß "aus Liebe zur Sache", solange kein Punkt erreicht werden kann. Es heißt auch, das englische Sprichwort "neither for love nor money" (weder für Liebe noch für Geld) habe Pate gestanden. Steht es jedoch in einem Spiel 40 : 40 (angesagt: 40 - beide, beide Spieler haben also 3 Gewinnpunkte) unentschieden, so heißt das Einstand, und es wird so lange weitergespielt, bis ein Spieler 2 Punkte Vorsprung hat. Der erste erreichte Punkt nach Einstand wird Vorteil genannt. Wird der Vorteil durch den Gegner ausgeglichen, so beginnt neuerdings Einstand. Das kann, bei Spitzenspielern mit guten Nerven, eine ganze Weile so gehen, bis ein Spiel gewonnen ist.

Ein Satz besteht grundsätzlich aus 6 solchen Spielen. Das gilt aber nur, wenn einer der Spieler bereits zwei Spiele mehr als sein Gegenüber gewonnen hat, wenn es also mindestens 6 : 4 steht. Bei 6 : 5 oder 6 : 6 muß weitergespielt werden. Bei 6 : 5 wird weitergespielt, bis entweder ein Abstand von 2 Gewinnspielen oder ein 6 : 6 erreicht wird. Damit ein Satz unter diesen Umständen nicht endlos wird, kommt es dann zum sogenannten Tie-Break, dem Unentschieden-Brecher: Nun sind nicht mehr zwei Gewinnspiele für den Satzgewinn erforderlich, sondern nur noch eines. Jeder Fehler wird im Tie-Break mit 1 Punkt für den anderen Spieler gezählt - bis zu mindestens 7 Punkten; zum Sieg sind 2 Punkte Vorsprung erforderlich. In den meisten Turnieren wird jeder Satz mit einem Tie-Break beendet.  Ausnahmen sind: Wimbledon - kein Tie-Break im letzten Satz; und der Davis-Cup - überhaupt kein Tie-Break.

Als Satzball wird am Ende eines Satzes der Kampf um den zum Satzgewinn notwendigen, letzten Punkt bezeichnet. Der Satzball im letzten Satz wird Matchball genannt. Er entscheidet über den Gesamtsieg.

Ein Tennismatch besteht bei Damen und im gemischten Doppel immer aus 2 Gewinnsätzen, bei Herrentennis nach Vereinbarung aus 2 oder 3 Gewinnsätzen. Zum 2 : 0 sind folglich nur zwei Sätze nötig; solch ein Spiel dauert zirka eine Stunde, Steffi Graf ist für so kurze Siegzeiten berühmt. Nach 1:1 (beim 3-Satz-Spiel 2 : 2) ist jedoch ein 3. (5.) Satz für den Sieg nötig. Solche Spiele können vier Stunden oder länger dauern. Das sind die häufigsten Spielfehler: Der Ball geht ins Aus, setzt außerhalb der Spielfeldgrenzen auf. Der Ball geht ins Netz, bleibt im Netz hängen. Der Ball wird überhaupt nicht oder erst nach zweimaligem Aufsetzen getroffen. Im Spielverlauf (außer beim Aufschlag!) darf der Ball das Netz berühren, entscheidend ist nur, daß er darüber hinweg kommt. Bei Spiel dicht am Netz darf weder der Spieler noch der von ihm geführte Schläger das Netz berühren, und der Schläger darf nicht über das Netz hinweg in das gegnerische Spielfeld gestreckt werden.

Bei spannenden Spielen kann es vorkommen, daß erregte Zuschauer durch laute Zurufe (zum Beispiel "Aus!") die Spieler irritieren. Deshalb kann der Schiedsrichter einen solchen Zuschauer des Platzes verweisen (falls er ihn identifiziert). Dem Spieler wird er jedoch den Ball regelmäßig dann gut geben, wenn der irritierte Gegner (trotz seines Protestes) ihn ohnehin nicht erreicht hätte (out of reach = außerhalb der Reichweite).

z.T. Auszug aus: "Sport im Fernsehen. 150 Sportarten verständlich erklärt" von Gerhard Jäger

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